Oberflächenspannung,
Grenzflächen und Benetzung
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Anschaulich ...
Die Oberflächenspannung ist neben Dichte und Viskosität die dritte
wesentliche Eigenschaft von Flüssigkeiten. Die relative Größe des
Wertes der Oberflächenspannung (g) ist
augenfällig: Etwas in eine Schale gegebenes Quecksilber gleitet in Form
ziemlich perfekter Kügelchen am Gefäßboden herum; dabei würde eigentlich die
hohe Dichte - ein Liter davon wiegt immerhin rund 14 Kilogramm - jedes Tröpfchen
flunderplatt drücken. Der Schwerkraft stemmt sich diese Oberflächenspannung
entgegen, und sie ist bei Quecksilber sehr groß
(g=484
mN/m). Ein Öltropfen (ca. 30-40mN/m) - verhält sich bekanntermaßen
anders: obwohl die Dichte viel geringer ist, zerfließen Öltröpfchen zu dünnen
Filmen. Extrem beweglich, wie ohne Haut, wirken kleine Spannungen, wie
sie als Grenzflächenspannungen von 1 bis 5mN/m zwischen Benzin und Seifenwasser
nach sehr vorsichtigem überschichten sichtbar werden können. Den Effekte der Grenzflächenspannung
zu festen Stoffen kennt man im Übrigen aus der
Anschauung - und hier kommt der Untergrund in Betracht: Öl in der Teflonpfanne lässt sich nicht
auf dieser Oberfläche nicht gut zu einem Film verteilen (spreiten), es hat hier die starke Tendenz wieder
zusammenzufließen, und möglichst wenig der Teflonfläche zu bedecken (benetzen).
Andererseits kann man Stahlpfannen mühelos mit einem Ölfilm bestreichen. Während
im ersten Fall Teflon eine geringe Oberflächenenergie hat, die geringer als die
des Öls ist, ist die des Stahls größer. Wie die Begriffe "Ober- bzw.
Grenzflächenenergie" schon andeuteten, sind Energien am Werk - und diese möchten
sich immer gerne verkleinern. Der Energieinhalt des Systems ist minimal, wenn
also das Öl
die Metalloberfläche bedeckt bzw. die des
Teflons eben nicht. Das Braten in einer
teflonbeschichteten oder unbeschichteten Pfanne, gibt im der mehr oder weniger
festsitzenden Resultat einen Zusammenhang mit der Adhäsion wider.
1.1 Grenzflächenspannung
Die an der Oberfläche flüssiger
Phasen wirkende Kraft, die bestrebt ist, die Oberfläche so
weit wie möglich zu verkleinern, heißt Oberflächenspannung. Die Oberflächenspannung
ist definiert als die in der Oberfläche senkrecht in die Phase wirkende
Kraft. Die Dimension ist mN/m "Kraft
pro Länge" (mN/m = dyn/cm und zahlenmäßig gleich der alten Kapillaritätskonstante
erg/cm2).
Manchmal wird sie auch spezifische Oberflächenspannung
genannt, denn ihr Wert entspricht genau der Arbeit, die aufgewendet werden muss,
um 1cm2 neue Oberfläche zu schaffen. Das veranschaulicht die
Dimension mN/m = mJ/m2 (Arbeit pro neu erzeugter Fläche). Phasengrenzen, die zwischen gleichphasigen
Stoffen, z.B. nichtmischbaren Flüssigkeiten, oder
zwischen festen und flüssigen Stoffen oder verschiedenen Körpern auftreten, werden im normalen Sprachgebrauch
'Oberflächen'
genannt. Obwohl Grenzfläche bzw. Grenzflächenspannung der allgemeine
Begriff ist und den physikalischen Sachverhalt korrekt als Effekt über
Stoffgrenzen wiedergibt, soll hier bei der Betrachtung von Flüssigkeiten weiterhin
bei der Bulkgrenze zur Luft (Inertgas, mit dem Dampf der Flüssigkeit
gesättigte Luft) von Oberflächenspannung bzw. -Energie die Rede sein, weil die Grenzfläche
ans Nichts - als wahrhafte Oberfläche - irrelevant ist.
Zur Unterscheidung bezeichnet Grenzflächenspannung die entsprechende Kraft zwischen
kondensierten Phasen.
<<
->Inhal
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Die Oberflächenspannung beruht auf der gegenseitigen
Anziehung der Moleküle. Innerhalb einer Flüssigkeit kompensieren
sich die Anziehungskräfte infolge der allseitig gleichen Beeinflussung. An der
Oberfläche hingegen werden attraktive Kräfte auf dieser Seite durch die angrenzende Gasphase
praktisch nicht erwidert, so dass eine senkrecht zur
Flüssigkeitsoberfläche nach innen
gerichtete Kraft resultiert (roter Pfeil im Bild links). Deshalb zeigen Flüssigkeiten das Bestreben, eine
möglichst kleine Anzahl der Moleküle in der Oberfläche zu haben und die
kleinst mögliche Oberfläche zu bilden, d.h. eine Kugelform anzunehmen,
soweit nicht die Gravitation oder andere Kräfte störend einwirken.
Bei Ober- und Grenzflächen müssten an sich
weitere Differenzierungen zur Sprache kommen. Eine Phase hört ja nicht
einfach abrupt auf und eine neue fängt an. Es ist über Grenzschichten,
über die hinweg ein Phasenwechsel stattfindet, zu sprechen. --- Modelle helfen eine Wirklichkeit zu veranschaulichen, sie sollten damit aber nicht verwechselt
werden.
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Zum Bild: Die
Grenzflächenspannung zwischen zwei Flüssigkeiten ist immer kleiner als die
Differenz der Grenzflächenspannungen beider Flüssigkeiten gegen die Luft - weil
irgendwelche kompatiblen Energien über die Grenzfläche
Wechselwirken |
Wie schon eingangs erwähnt, ist die Grenzflächenspannung
etwas anders geartet als die Oberflächenspannung. Die
Grenzflächenspannung beim Kontakt zweier Flüssigkeiten kann nicht durch
algebraische Operationen mit den jeweiligen Werten der
Oberflächenspannung der einzelnen Flüssigkeiten berechnet werden. (Die
Antonowsche Regel [13,
S.100] besagt, dass die Grenzflächenspannung zwischen zwei Flüssigkeiten gleich
der Differenz der Grenzflächenspannungen beider Flüssigkeiten gegen die Luft
wäre, ist wohl - Verzeihung - ein kompletter Blödsinn. Vgl. Bild und Text links
und Diagramm 1, weiter unten.)
Bei
der Messung der Oberflächenspannung wird diese als Summenparameter intrinsischer Kräfte erfasst.
Die inneren Kräfte der Kohäsion und äußeren der Adhäsion werden üblicherweise in zwei Gruppen,
den polaren und unpolaren Wechselwirkungen geordnet. Unpolare
Wechselwirkungen sind die elektrodynamischen Van-der-Waals Kräfte und
induzierte Dipol-Kräfte (London-, Debey- und Keesom-Wechselwirkungen).
Von polarer Natur sind Dipol-Dipol, Wasserstoffbrücken-,
Elektronen-Donator/Akzeptor und Säure-Base-Wechselwirkungen. Beim Kontakt an der
Grenzfläche können diese inneren Kräfte je nach vorhanden sein und
Natur mehr oder weniger stark mit der Gegenphase Wechselwirken. Wenn die
Natur der Kräfte in beiden Schichten gleich
wäre gäbe es schlichtweg keine Phasengrenze! Die damit verwandte Problematik bei der Bestimmung von
Festkörper-Oberflächenenergien wird später noch
aufgegriffen.
Ein beliebtes Missverständnis:
"Spülmittel
verringert die Oberflächenspannung von Wasser und deswegen schäumt
Spülwasser". Was ist davon zu halten? Wenn Sie meinen 'in doppelter
Hinsicht falsch', dann ist's gut:
Die Oberflächenspannung des Wassers bleibt
wohl unverändert! Das soll keine Spitzfindigkeit über Spülwasser sein,
das kein Wasser mehr ist, sondern, die Oberflächenspannung des Wassers
kann bloß nicht mehr gemessen werden, weil das Wasser darin
keine freie Oberfläche mehr hat. Die Oberfläche wird durch die Spülmittel-Tenside gebildet (Oberflächenaktive Substanzen).
Schäumen und die Möglichkeit Seifenblasen zu erzeugen hat nichts mit der
Oberflächenspannung zu tun. Benzin oder Cognac schäumt ja auch nicht,
obwohl die Oberflächenspannung gering ist. Das Schlüsselwort ist
'Strukturbildung': Tenside bilden innerhalb des Wassers kleine Tröpfchen
(Mizellen) bzw. an Oberflächen Filme.
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Aspekte in der Wirklichkeit
Diagramm 1: Die Grenzflächenspannung zwischen
Toluol und Formamid, über 40 Minuten hinweg per Ringmethode gemessen.
Es ist besonders in Bereichen mit zweifelhaften Referenzdaten
sinnvoll, auch eine statisch angenommene Messgröße über eine gewisse Zeit zu
beobachten, zum Einen, um einen guten Mittelwert zu erhalten, zum Anderen, um
sicherzustellen dass kein Trend auftritt. Die meiste Arbeit bei solchen
Messungen besteht ja ohnehin in der Vorbereitung.
Die Grenzflächenspannung ist bei 13.67mN/m stabil. --
Die Differenz der beiden Oberflächenspannungen bei 25°C von Formamid (57.03mN/m)
und Toluol (27.93mN/m) wäre also mit 29.1mN/m weit größer als der tatsächliche Messwert.
Diagramm 2: Eine frisch erzeugte Grenzfläche
zwischen Toluol und Wasser. Sie verändert ihren Wert.
Für die Grenzflächenspannung zwischen Toluol und
Wasser wird ein Wert von 31mN/m gemessen, wenn die beiden Flüssigkeiten intensiv
vermischt werden. Ein kleiner Anteil Wasser löst sich im Toluol und etwas Toluol
auch im Wasser. In der Literatur werden in der Regel Grenzflächenspannung
zwischen gegenseitig gesättigten Flüssigkeiten angegeben.
Diagramm 3, eine Komplexe Grenzfläche:
Temperaturabhängigkeit der Grenzflächenspannung zwischen tensidhaltigem
Wasser und Toluol.
(Wasser mit 5g/L SDS [Sodium Laureth Sulfate, Laurylsulfat],
CMC von SDS =2.3g/L )
Wie die Oberflächenspannung mit der Temperatur
abnimmt, so nimmt auch die Grenzflächenspannung ab. Doch gibt es Ausnahmen. Und
in diesem Fall ist ja eine besondere Grenzfläche
betroffen.
Das
Temperaturverhalten wird thermodynamisch erklärt.
Bei nur einem Tensid und einer Grenzfläche gilt:
Der positive Gradient dg
/dT, Zunahme der Grenzflächenspannung (dg)
bei Zunahme der Temperatur (dT), bedeutet Entropieabnahme (Überschussentropie
S(A) in der spezifischen Grenzfläche. Die Ordnung der
Grenzfläche nimmt gegen die in der Bulkphase zu. -- Eine hinreichende Zunahme
der Grenzflächenspannung kann dazu führen, das Waschmittel in der Wärme
schlechter funktionieren - in der Kälte besser - oder
Schaum großporiger wird oder sich
Emulsionen entmischen.
Die Diagramme 1 bis 3 entstammen
Beispielen zu IMETER-Prüfberichten; Diese Prüfberichte finden sich unter -->
Oberflächenspannung, Beispiele.
und können als PDFs heruntergeladen werden.
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Diagramm 1

Diagramm 2 (T=25.0°C)

Diagramm 3
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Während die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten
der direkten Messung zugänglich ist, nämlich durch die Bestimmung der Kraft, die
der Erzeugung neuer Oberfläche entgegensteht (z.B. Meniskusgewichte, Deformation
beweglicher Oberflächen im Kraftfeld), ist die Oberflächenspannung fester Körper
nur indirekt messbar. Die Oberflächenspannung charakterisiert eine isolierte
einzelne Flüssigkeit. Sie bestimmt beispielsweise die freie Tropfenform und -Größe
oder auch den Druck in Gasblasen (Hohlräumen). Zwischen nichtmischbaren flüssigen Phasen ist
die energetische Stabilität von Emulsionen von der (adhäsiven) Grenzflächenspannung
und der jeweiligen (kohäsiven) Oberflächenspannung der
Einzelflüssigkeit abhängig. Bei der Benetzung und Benetzbarkeit, der
Interaktion flüssiger und fester
Stoffe, sind die Verhältnisse
der Ober- und Grenzflächenspannungen der beteiligten Phasen und Phasengrenzen
in Betracht zu ziehen.
Die Verhältnisse werden anschaulich durch die
Young-Gleichung,
beschrieben: Ein Flüssigkeitstropfen auf einem ideal glatten Festkörper bildet an seinem
Rand eine Grenzlinie, an der sich die drei Phasen treffen. Die Tropfenform,
als sich einstellende Eigenschaft, gibt die herrschenden Verhältnisse der Grenz- und
Oberflächenflächenspannungen - d.h. Energien - wider.
gs,g
Oberflächenenergie des Festkörpers
gl,s Grenzflächenspannung zwischen Flüssigkeit und Festkörper
gl,g
Oberflächenspannung der Flüssigkeit (gegen ihren
eigenen Dampf)
Die in der Grafik in Vektoren dargestellte Young Gleichung, die vielfache
Bedeutungen umschliesst, erhält noch einen Zusatz(vektor):
gs,l
+ gl,g
cos Q = gs,g
= gs + pe
pe
ist der Gleichgewichtsdruck bzw. der Ausbreitungs- oder Spreitungdruck des
Flüssigkeitsdampfes
an der Oberfläche im Gleichgewicht. Im Vakuum ist pe
Null; z.B. für Wasser auf PE werden 0,14 [mN/cm] angegeben.
Die Differenz gs,g
- gl,s
ist stets größer Null, und wird Benetzungsspannung genannt. Der Winkel Q
wird Rand-, Kontakt-, Young- oder Benetzungswinkel genannt, er kann Werte
in den Grenzen 0°
< Q < 180° annehmen. Man sagt, eine
Flüssigkeit wirkt benetzend, bzw. ein Festkörper ist durch sie benetzbar oder
ist benetzt, wenn der
Randwinkel Q<90° beträgt. Die
Güte der Benetzung ist dem Randwinkel indirekt proportional. Z.B der
Randwinkel von Quecksilber auf Glas beträgt etwa 138°, Glas wird von Quecksilber
nicht benetzt.
Der Fall
Q = 0°, totale Spreitung oder
Q =
180°, totale nicht- Benetzung, tritt in der Wirklichkeit nicht auf.
Zum "Lotuseffekt":
Die Grundlage des Effektes ist in der Wenzelgleichung gegeben:
cos Qgem.= r·cosQ
Sie bedeutet, dass der Kontaktwinkel realer Oberflächen noch besonders durch die
Rauhigkeit r der Oberfläche festgelegt ist. Der gemessene
Kontaktwinkel (Qgem.) d.h. der
wirkliche Randwinkel des Wassertropfens auf dem Blatt der Lotuspflanze, wurde
bereits mit dem Verstärkungsfaktor r verstärkt. Idealglatte
Oberflächen haben ein r=1, bei realen Oberflächen ist r immer größer als 1.
Bei schlechter Benetzung, also cos Q
>90, wie bei Kunststoffen, wird durch Schleifen der
Oberfläche (r >>1) ein noch größerer Kontaktwinkel effektiv. Schleifen
oder fein strukturieren der Oberfläche befördert damit das Ablaufen von
Wassertropfen; eine benetzende Flüssigkeit würde also noch besser spreiten.
Auch wenn es gut gelingt,
Teilchen, wie Wachskristalle oder PTFE Partikel in einer Matrix zu verankern, dann bleibt ein
noch leidlich größeres Problem - vielleicht kennen Sie es selbst bei
Kunststoffartikeln, die länger im Gebrauch sind: diese verunreinigen sich
oft von selbst; und zwar nicht weil der Kunststoff etwa von Schmutzwasser leicht benetzt
würde, nein, die Kunststoffoberflächen sind so hydrophob, dass Wasser, wenn
auch nicht so perfekt, aber dennoch abperlt. Es sind elektrostatische Kräfte (statische
Elektrizität), die feine Staub- und Rußpartikel an die Oberfläche binden.
Wenn die Matrix normaler Kunststoff ist, womöglich sogar von weißer
Farbe ist, wird man besonders nach Trockenzeiten eine kaum mehr entfernbare
Schmutzschicht vorfinden. Sofern dieses Problem durch eine leitfähige Einbettung
gelöst würde, bliebe dann noch der wirksame Schutz der Oberflächenstrukturen
gegen mechanische Zerstörung (abkratzen). Es erscheint nüchtern betrachtet jedenfalls fraglich,
ob man mit dem Lotuseffekt auf die Dauer Freude haben wird - oder sollten
Fassadenanstriche und Autoheckscheiben eine Lebensdauer haben, sagen wir von Blütenblättern?
Begriffe im
Zusammenhang mit Benetzung und Kontaktwinkel
Eine große Benetzungsspannung (=
gs,g
- gs,l
) ist gleichbedeutend mit einer
kleinen Haftspannung (=
gl,g
cos
Q). Die sprachlichen
Begriffe entsprechen Teiltermen in der Younggleichung. Die
modifizierte Younggleichung bringt zum Ausdruck, dass der
Gleichgewichtskontaktwinkel - man kann es gar nicht oft genug sagen, in der
Thermodynamik geht es um Gleichgewichte, die ihre apparatetechnische
Entsprechung in jeweiligen gültigen Methoden benötigen, sonst gibt's nur
räumlich und zeitlich eingeschränkte und in Formeln nicht verwendbare
Vergleichszahlen - dass also der Kontaktwinkel auch von der Größe
des abgelegten Tropfens abhängig ist = Tropfengrößeneffekt:
cos
Qgem.
= cos
Q - s / (gl,g·RK)
RK
der Radius der kreisförmigen dreiphasen Grenzlinie (Benetzungslinie,
dreiphasen Interface),
s
steht für die Dreiphasenlinienspannung (line tension) und
Qgem.ist
der gebildete Winkel,
Q
der Winkel für unendlich große Tropfen. Die Korrektur wird vor allem bei zu
kleinen Tropfen (<4-5mm) notwendig.
Der Effekt der Tropfengröße ist in der Regel weniger bedeutend als Porosität,
Glätte, Unebenheit, eingeschlossene Luftblasen, Staubkörnchen und die zu
messenden Energien des Untergrundes, die nicht gleichmäßig verteilt (anisotrop)
sein mögen. Außerdem gibt es noch zahlreiche andere Wirkungen, wie ggf.
Quellung, in-Lösung gehen, Separation, Interdiffusion, Bildung einer
elektrischen Doppelschicht, elektrostatische Ladungen, Verdunstung ...
IMETER
Da mit der Wilhelmy-Platte Typ II zur Kontaktwinkelmessung (eine
Steighöhenmethode), die an verschiedenen Stellen angesprochen wird, die
Oberfläche ganzer Festkörper abgescannt werden kann, erhält man zusätzliche
Informationen über Vorrück- und Rückzugskontaktwinkel und es ist möglich
automatisch eine relativ große Oberfläche mit vielen Messpunkten statistisch
zu behandeln, was sehr große Vorteile mit sich bringt. Es muss sich hier
übrigens nicht um eine reguläre Platte handeln. Der Probekörper,
beispielsweise eine Kontaktlinse, wird vor oder nach der Messung mit einer
sicher und absolut benetzenden Flüssigkeit in einem anderen IMETER Verfahren
abgescannt, wobei die Volumen-Umfangsfunktion ermittelt wird, die Volumen und
Dichte des Freiformkörpers liefert und die insbesondere die Tabelle zur
Korrektur des Auftriebs der Werte der Messung ermöglicht.
Unter Adhäsionsarbeit (Wa)
wird die reversible Oberflächenarbeit (auch differenzielle Grenzflächenarbeit
genannt)
verstanden, die zum Ablösen der Benetzung vom Untergrund erforderlich ist:
Wa
=
gs,g+
gl,g-
gs,l
Diese Arbeit ist Äquivalent mit dem Ausdruck:
Wa
= gl,g
(1+cos
Q)
der als Young-Dupresche Gleichung bekannt ist.
Der Größte Wert, der für
Wa erhalten werden kann, wenn
cos
Q
≈ 1 ist
(bei totaler Benetzung), bedeutet dass die Arbeit maximal die doppelte
Oberflächenenergie der Flüssigkeit erreicht. Es müssen ja beide Oberflächen,
da abgetrennt - neu erarbeitet werden.
1.3 Festkörperoberflächenspannung - Verschiedene Ansätze
- Eine Oberflächenspannung des Festkörpers kann durch Auftragen
verschiedener Flüssigkeiten und Messung des Kontaktwinkels bestimmt
werden; genauer, die kritische Oberflächenspannung der Benetzung
gkrit.
vgl.
Methode von Fox und Zismann
(1950)
- Nach Neumann (1967) kann die Festkörperoberflächenspannung
durch Messung des Kontaktwinkels bestimmt werden:
cos
Q
=
((0.015gs-
2)·
(gl·gs)1/2
+
gl)
/ (0.015
·
(gl·gs)1/2
-1)
- Mittels eines Wechselwirkungsparameters (F)
kann mit der Gleichung von Good und Girifalco (1957) aus einer
Kontaktwinkelablesung die Oberflächenspannung des Festkörpers gewonnen werden:
gs,g
=
gl,g
(1+cos
Q)²/(4·F)²
Der Parameter ist definiert als Verhältnis von Adhäsionsarbeit
(Wa)
und dem geometrischen Mittel der Kohäsionsarbeiten (Wc1,
Wc2) der Phasen: F
= Wa/(Wc1·Wc2)1/2
- Fowkes (1972) erkennt die Oberflächenspannung als summativ aus den
molekularen Wechselwirkungsenergien zusammengesetzt: dispersiv (d), polar (p)
und Wasserstoffbrücken (h), sowie Säure-Base-Wechselwirkungen (sb):
g
=
gd+
gp+
gh+ gsb
Wechselwirkungen finden ausschließlich über gleichartige Energien
statt. Bei Betrachtung der rein dispersen Wechselwirkung, wie in etwa bei
Kohlenwasserstoff auf etwas, oder etwas auf PE, PP der Fall, gelte:
gl,g
·
(1+cos
Q)
= 2·
(gl(d)·gs(d))1/2
- Owens, Wendt und Kaelble
(1969,70) erweiterten den Ansatz auf die Betrachtung der polaren
Komponenten, wobei die Wechselwirkungen von Wu (1982) dann als
harmonisches Mittel ausgedrückt wurden:
gl,g
·
(1+cos
Q)
= 4·
((gl(d)·gs(d))/(gl(d)+
gs(d))+
(gl(p)·gs(p))/(gl(p)+
gs(p)))
Festkörperoberflächenspannungen lassen sich so durch Kontaktwinkelmessungen mit
zwei Flüssigkeiten beschreiben (oft Wasser und Diiodmethan).
Wu wird mehr für niederenergetische Wechselwirkungen der Oberflächen, das
geometrische Mittel (Owens ...) mehr für Wechselwirkungen zwischen nieder- und
hochenergetischen Stoffen verwendet.
- van Oss, Chaudhury und Good (1987) fassen die Komponentenenergien
der drei elektrodynamischen Wechselwirkungen (London, Debey und Keesom) in einem
Lifshitz - Van der Waal - Anteil (LW) zusammen und bringen das Elektronen
Donor-Akzeptor-Konzept (do, a) ein, z.B:
gl,g
·
(1+cos
Q)
= 2·
(gl(LW)·gs(LW))1/2
+ 2·
(gl(do)·gs(a))1/2
+ 2·
(gl(a)·gs(do))1/2
Gleichgewichtskontaktwinkel mit mindestens drei Testflüssigkeiten erlauben
also die Ermittlung.
In Ermangelung der Wahrheit bzw. wegen vieler "stoffklassentypischer Wirklichkeiten" werden
genannten alle Verfahren / Theorien heute verwendet.
Die Angabe einer ermittelten Festkörperoberflächenspannung macht die
Zusatzangabe der Berechnungsmethode erforderlich.
2.1 Thermodynamische Grundlage
Vergrößert man eine Fläche bei konst. Volumen um den Betrag dA, so ist damit die Arbeit dW
verbunden, der Proportionalitätsfaktor g ist
die Oberflächenspannung:
dW = g·dA [J] = [N·m-1·m2].
(Oberflächenspannung
mN/m und Oberflächenenergie mJ/m2 sind zahlengleich Werte)
Die zur Oberflächenbildung geleistete Arbeit ist zur
Volumenarbeit hinzuzuaddieren und leistet daher einen Beitrag zur Freien Energie
G. Für ein System mit veränderlicher Oberfläche
gilt somit die thermodynamische Gleichung:

Man findet die analoge Formulierung über die freie Enthalpie [4],
innere Energie (U),
F (Freie Energie [F=U -TS (Helmholz-Funktion)], G (Freie Enthalpie [G=H -TS (Gibbs-Funktion)]
Mit Entropie (S) der Temperatur (T), Druck (p) und Volumen (V) und
mj
dem chemischen Potential der Komponente j mit der Teilchenzahl nj.
Man spricht jedoch im Allgemeinen von
freier Oberflächenenergie (surface free energy).
Im folgenden Kapitel wird dafür unter Prüfung auf
Berechnungsmöglichkeiten eingegangen.
2.2 (ältere) Berechnungsmöglichkeiten und Ansätze
Molvolumen & Temperatur - Eötvös
Um die Oberflächenspannungen verschiedener Flüssigkeiten
miteinander vergleichen zu können wird die Oberflächenspannung molar
normiert. Die Größe Vm2/3
(molares Volumen hoch 2/3) legt eine Fläche fest, die unabhängig von
der Verbindung stets die gleiche Anzahl an Teilchen in der so definierten Mol-Oberfläche
enthält, nämlich NL2/3 (~ 7·1015 Teilchen).
Die mit dieser Fläche multiplizierte Oberflächenspannung heißt dann molare
Oberflächenspannung gm [mN/m
·(m3/mol)2/3]=[mJ·mol-2/3
].
gm = g
·Vm2/3
Sie ist eine für den Vergleich
verschiedener Stoffe geeignete Größe und stellt die Arbeit dar, die
notwendig ist, um aus dem Innern der Flüssigkeit NL2/3 Moleküle entgegen
den zwischenmolekularen Anziehungskräften zur Oberfläche zu bringen.
Für viele normale Flüssigkeiten,
d.h. nicht assoziierte Flüssigkeiten, gelte die
Beziehung:
gm = ks ·(TK'
- T) (Eötvös´sche
Regel)
TK' ist eine, ein wenig unter
der kritischen Temperatur TK
liegende Temperatur; T die betreffende Temperatur, die oberhalb der
Mitte zwischen der absoluten Temperatur (0 K) und TK zu wählen
ist. Die Gleichung wurde in Analogie zum allgemeinen Gasgesetz mit dem Theorem
der übereinstimmenden Zustände hergeleitet. Der
Temperaturkoeffizient ks
(T/dT) ist eine Konstante (Eötvös-Konstante, nach R.
v. Eötvös 1848-1919)[5], sie sollte für
normale Flüssigkeiten also stets den gleichen Wert haben: ks = 2.1 [10-7
J·mol-2/3·K-1].
Der Wert gelte z.B. für Hg, CS2,
CCl4, Nitrobenzol,
Benzaldehyd.
Abweichungen von diesem Wert deuten auf Assoziationen hin: Wasser 1.10,
Ethanol 1.08, Aceton 1.82, Essigsäure 1.30, Phenol 1.36 (Werte von
[4]
S.395).
Das folgende Diagramm stellt
für die drei darin bezeichneten Flüssigkeiten die Art des Zusammenhangs dar.

Es ist damit begreiflich, warum in
neueren Lehrbüchern auf Eötvös meistens verzichtet wird. Die Regel hilft
bzw. nützt kaum. Nach heutigem Verständnis ist die Assoziiertheit einer
Flüssigkeiten weitgehend aus der Strukturformel ersichtlich - für damals
(1885) bei Fettsäuren (Essigsäure) aus den Daten der Oberflächenspannung
Doppelmoleküle, wie später durch andere Verfahren bestätigt, vorherzusagen,
war gleichwohl eine respektable Leistung.
Molekülstruktur - Parachor
Die Oberflächenspannung einer
Flüssigkeit ist bei gegebener Temperatur abhängig von der Differenz der
Dichten der Flüssigkeit r
und des Dampfes rd. Nach D. M.
MacLeod
gelte dafür die Gleichung:
g1/4 / (r-rd)
= k
Der Proportionalitätsfaktor k
sei unabhängig von der Temperatur. S. Sugden erhielt nach Umformung mit der
Molmasse M eine Größe, die er Parachor Pg
nannte.
Pg =
M k1/4 =
g1/4 · M / (r-rd)
Bei Temperaturen weit genug
unter der kritischen kann die Dichte des Dampfes rd
vernachlässigt werden und mit M/r
= Vm :
Pg = Vm · g1/4
Molekülparachore können aus der Summe der Atom- und
Bindungsparachore
berechnet werden und sollen auf Mischungen ebenfalls anwendbar sein.
Neuere
Ansätze zur Berechnung
Über
die Kohäsionsenergiedichte bzw. die Löslichkeitsparameter
(Hildebrand, Hansen) werden folgende Gleichungen angegeben[6a]:
(Michaels)
(Koehnen und Smolders)
(DEV
Verdampfungsenergie (DEV=DHV-RT);
Vm Molvolumen; K eine Konstante; dp,
dd Hildebrand-Parameter (d=dd+dp+dh,
entsprechend dispersen, polaren und Kräften und den Wasserstoff-Brücken))
In diesem Zusammenhang kann auch über parachorartige Bindungs- und
Gruppeninkremente die Kohäsionsenergiedichte berechnet werden
(Tabellen [6a]).
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intelligenter
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Young, T., Phil.Trans.Roy.Soc., (1805),95,65
Girifalco,
L. A., Good, R. J., J.Phys.Chem.,(1957), 61,
S.904;
ibid.,(1960), 64,.561
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